Robert Schlienz wurde am 03. Februar 1924 in Stuttgart-Zuffenhausen geboren. Dort - beim Fußballverein Zuffenhausen - begann er im Alter von sechs Jahren das Fußballspielen.
Der Junge bewies sehr rasch sein großes Talent, wurde 1942 mit der A-Jugend des FV Zuffenhausen Württembergischer Meister und schaffte es bereits mit 16 Jahren in die erste Mannschaft des Vereins.
Im Zweiten Weltkrieg musste er Kriegsdienst leisten bis er an der Ostfront schwer verwundet und damit untauglich für den Kampfeinsatz wurde.
Zeit seines Lebens behielt er davon eine große Narbe im Gesicht.
In der Saison 1944/45 kam Schlienz als Gastspieler zum VfB Stuttgart. Hier bestritt er am 2. April 1945 auch das letzte Spiel vor Kriegsende, das beim Stand von 5:2 für den VfB wegen Fliegeralarm abgebrochen werden musste.
Auch nach Kriegsende blieb Robert Schlienz beim VfB Stuttgart, der nun in der neu gegründeten Süddeutschen Oberliga spielte, der höchsten Spielklasse in der damaligen amerikanischen Besatzungszone.
Robert Schlienz spielte beim VfB als Mittelstürmer und war auf dieser Position sehr erfolgreich: So wurde er gleich zweimal hintereinander, in den Saisons 1945/46 und 1947/48 Torschützenkönig in der der Süddeutschen Oberliga. In der Saison 1945/46 schaffte er dies mit 46 Toren in 30 Spielen.
Dann kam der schicksalhafte 14. August 1948. Das wichtige Auswärts-Pokalspiel gegen den VfR Aalen stand an.
Robert Schlienz, dessen Mutter am vorherigen Tag verstorben war, schaffte es nicht rechtzeitig zum vereinbarten Mannschaftstreffpunkt und so musste er mit einem geliehenen Auto selbst nach Aalen fahren.
Es war ein heißer Tag und daher fuhr er mit geöffnetem Fenster und ließ seinen Arm aus dem Fenster hängen. Wegen eines Schlaglochs kippte schließlich das Fahrzeug, ein Opel-Pritschenwagen, um und zerquetschte dabei den linken Unterarm von Robert Schlienz, der komplett amputiert werden musste.
Das Ende seiner Profi-Fußballkarriere schien damit unweigerlich gekommen zu sein. Doch es sollte anders kommen, ganz anders: Sein damaliger Trainer Georg Wurzer sprach ihm Mut zu und setzte den ehemaligen Mittelstürmer auf einer neuen Spielposition ein, nämlich als offensiver Außenläufer. Und Schlienz gab trotz des schweren Schicksalsschlags nicht auf: Mit eisernem Willen prägte er sich mit Hilfe seines Trainers in vielen Sonderschichten ganz neue Bewegungs- und Spielabläufe ein und fand sich rasch auf der neuen Position zurecht.
So kam es, dass Robert Schlienz trotz seines Handicaps und des nur rund dreieinhalb Monate zurückliegenden schweren Unfalls am 5. Dezember 1948 beim 2:1 Sieg über Bayern München wieder auf dem Spielfeld stand.
Die erfolgreichste Phase seiner Fußballkarriere kam jedoch noch. Schlienz wurde wichtiger Teil der erfolgreichsten VfB-Mannschaft aller Zeiten. Als Kapitän führte er die Mannschaft 1950 und 1952 zu zwei Deutschen Meisterschaften und wurde mit dem VfB zweimal, 1954 und 1958, Deutscher Pokalsieger. Eine Vizemeisterschaft 1953 rundete den Erfolg ab.
1950 erhielt er zudem für seine großartigen sportlichen Leistungen das Silberne Lorbeerblatt.
Auch der damalige Bundestrainer, Sepp Herberger, honorierte diese Leistung und sein Potential, indem er Robert Schlienz 1955 und 1956 sogar in die Nationalmannschaft berief. Mit der Nationalelf bestritt er drei Spiele (gegen England, Nordirland, Niederlande). Schlienz spielte noch bis 1960 beim VfB Stuttgart und beendete dann seine Fußballkarriere.
Danach wurde Schlienz Geschäftsmann und war Inhaber eines Sportgeschäfts in Stuttgart-Bad Cannstatt. Später handelte er mit Wein und Geschenkartikeln. In dieser Zeit erfolgte auch der Umzug nach Dettenhausen.
Einige ältere Mitbürger erinnern sich noch daran, dass Robert Schlienz an mehreren Vereinsturnieren und Freundschaftsspielen in Dettenhausen mitkickte und sie seine Bodenständigkeit sehr schätzten.
Trotz dem Ende seiner Spielerkarriere behielt Robert Schlienz den VfB Stuttgart stets im Herzen. So besuchte er viele Heimspiele im Neckarstadion und verfolgte von der Tribüne aus gespannt das Spielgeschehen. Für kurze Zeit war er im Jahr 1969 sogar im Vereinsvorstand tätig.
Robert Schlienz starb mit 71 Jahren am 18. Juni 1995 an einem Herzinfarkt. Trotz strömenden Regens gaben ihm bei seiner Beisetzung in Dettenhausen über 300 Trauergäste das letzte Geleit. Kurze Zeit später benannte der VfB Stuttgart sein Amateurstadion in „Robert-Schlienz-Stadion“ um. Dieses Stadion war für viele Jahre die Heimspielstätte des VfB Stuttgart II. Heute spielen dort die zukünftigen Nachwuchsstars der A- und B-Jugend. Den Namen des VfB-Idols trägt dieses Stadion heute noch.
© Simon Römmich